Thomas Eggert: In den ersten 3 Ausgaben haben wir HR in der Cloud aus den Blickwinkeln der Lösung, aus Sicht des IT-Bereiches und HR betrachtet. Es ist klar geworden, dass HR Cloud Services große Veränderungen mit sich bringen. Nun möchte ich gerne das Thema mit einer provokanten Frage erweitern – Ist für die Erbringung der heutigen HR Leistungen in Zukunft noch eine Personalabteilung erforderlich?

Das ist in der Tat eine sehr provokante Frage. Wir beobachten seit Jahren die Veränderungen in der HR-Welt, im Spannungsfeld zwischen Kostendruck auf HR Services und neuen Anforderungen an Personaler. Diese neuen Anforderungen, wie z.B. neue (Online-) Lernmethoden, Coaching und Mentoring sind jetzt schon entscheidend für die Flexibilität von Mitarbeitern, für die Mobilität und Konnektivität im Vordergrund stehen.

Daher ist es sowohl kulturell als auch ökonomisch interessant zu fragen, warum HR Mitarbeiter immer noch stark in Verwaltungsprozesse eingebunden sind, anstatt ihr Potential den genannten Anforderungen zu widmen. Warum sind diese Verwaltungsprozesse nicht weitgehend standardisiert, digitalisiert und automatisiert? Mithilfe der Kopfstandtechnik können wir uns vorstellen, wie es wäre, wenn diese Prozesse in 20 Jahren ohne Beteiligung von HR ablaufen:

Recruiting

  • Wenn Führungskräfte ihren Stellenbedarf selbständig platzieren können und in kurzer Zeit 5 Kandidaten vorgeschlagen bekommen
  • Wenn Recruiter die Vorauswahl nicht mehr durchführen müssen, sondern sich auf das Coaching der Führungskraft für das finale Gespräch konzentrieren können

Training / Coaching

  • Wenn Trainings selbständig online vom Mitarbeiter im Rahmen eines limitierten Budgets gebucht werden können
  • Wenn Trainings / Tutorien jederzeit online besucht werden können
  • Wenn Mitarbeiter sich einen Coach ihrer Wahl (intern oder extern) ohne / mit Budget aussuchen können

Development

  • Wenn die Führungskraft online Potentialeinschätzungen der Mitarbeiter verwalten kann
  • Wenn der Führungskraft automatisch ein Peer-Vergleich des Teams zur Verfügung gestellt wird
  • Wenn Führungskräfte selbständig Nachfolgekandidaten für Positionen vermerken können

Onboarding

  • Wenn es eine transparente und vollständige Online- Onboarding-Checkliste gäbe. Und diese von Mitarbeitern bzw. von Beteiligten ausgefüllt werden kann

Exit

  • Wenn der kündigende Mitarbeiter seine Abschlussdokumente und Zahlungen automatisch bekommt, sobald alle Austrittsinformationen in der Online- Austrittscheckliste abgehakt sind
  • Wenn Bescheinigungen normiert wären und somit vom Mitarbeiter beantragt und von der Führungskraft freigegeben werden können
  • Wenn die Führungskraft selbständig ein Zeugnis ausdrucken oder ausdrucken lassen kann und dabei nur zwei Angaben machen muss: Die individuelle Benotung und einige persönliche individuelle Zeilen

Compensation

  • Wenn die Führungskraft alle Zahlungsbestandteile gemäß der Vergütungsregelung selbst vergeben kann. Dies auch für den jährlichen Merit-Prozess bzw. Vergütungsprozess

Time Management

  • Wenn Zeiteingaben der Mitarbeiter und Führungskräfte in sich automatisch füllende Zeitkonten abbilden lassen ohne das eine manuelle Nachbearbeitung erforderlich ist

Thomas Eggert: Das klingt sehr greifbar, ist aber wirklich Zukunftsmusik.

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